Noch ein toller BJJ-Lehrgang bei Arashi in Sindelfingen

Noch ein toller BJJ-Lehrgang bei Arashi in Sindelfingen

Am Sonntag, 26.1. waren Steve und ich zum Vormittagslehrgang „Basistechniken“. Zunächst eine verhältnismäßig „entspannte“ Erwärmung mit Robben, Spinnen, Käfern und anderem Getier – das sind Aufwärmübungen am Boden, die den gesamten Körper fordern und an die Bewegung gewöhnen. Dann starteten wir mit Techniken aus der Guard-Position. Neu daran war für uns die Einbeziehung der Jacke – für verschieden Würgen kennen wir das ja, den Kragen einzubeziehen. Aber die Jacke aus dem Gürtel des Gegners zu ziehen und mit dem Jackenzipfel zu arbeiten, das hatten wir noch nicht. Es hat riesig Spaß gemacht,  Andy und Alex schaffen eine klasse Übungsatmosphäre.

Mehrere Optionen später begannen wir in der Side Control, lernten den Arm des Gegners mit unseren Beinen aus dem Weg zu räumen und über eine Art Kesa Gatame schließlich sitzend auf dem Partner einen Armpit Armbar anzusetzen. Auch in diesem Ablauf kann der Jackenzipfel benutzt werden, um den anderen Arm außer Betrieb zu nehmen.

Die gleiche Ausgangslage ermöglicht auch einen Baseball Choke (benannt nach der Handhaltung an einem Baseballschläger).

Die restliche Zeit widmeten die Trainer dem Brabo Choke, hierbei nimmt man ebenfalls ein Jackenende zu Hilfe und greift mit der anderen Hand über Kreuz zum Kragen, um den Gegner zum Aufgeben zu zwingen.

Hier mal ein nettes Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=KkVppak1i0c

Das Schöne an diesen Techniken ist für mich ohne Zweifel die Eleganz und die Tatsache, dass sie den Gegner zum Aufgeben zwingen, ohne ihn zu Brei zu schlagen. Unter Selbstverteidigungsaspekten sind für mich einige Fragen offen, denn sehr oft „lommelt“ eine Hand des Gegners irgendwo herum, wo es im Sportbereich nicht so schlimm ist, weil es ein Reglement gibt. In einer Selbstverteidigungssituation wäre diese Hand eine Gefahr, wenn man nicht wirklich genau weiß, was man tut. Erfahrene BJJler haben mit Sicherheit Antworten auf solche Fragen – deshalb:

Schaut mal in unsere Terminliste und auf euren Kalender, denn es lohnt sich auf jeden Fall, seinen Horizont im BJJ zu erweitern! (Nächste Gelegenheit Samstag, 29.2. von 9:00 bis 12:00 Uhr.)

Nette Truppe 😉 Wir sagen danke!
SpendenAdvent 2019 der Volksbank Herrenberg-Nagold-Rottenburg-Stiftung

SpendenAdvent 2019 der Volksbank Herrenberg-Nagold-Rottenburg-Stiftung

Die Abteilung Karate des TSV Gärtringen erhält 500 Euro für neue Matten

Im Rahmen der Aktion „SpendenAdvent“ schüttete die Volksbank Herrenberg-Nagold-Rottenburg-Stiftung über die Adventszeit einen Spendenbetrag von insgesamt 102.000 Euro aus. Mit den aus dem Zweckertrag des VR-GewinnSparens stammenden Fördermitteln werden soziale, gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Projekte im Geschäftsgebiet der Bank unterstützt und prozentual nach Anzahl der VR-GewinnSparlose auf die drei Regionen aufgeteilt. Somit wurde die Region Herrenberg mit 37.500 Euro, die Region Nagold mit 40.500 Euro und die Region Rottenburg mit 24.000 Euro bedacht.

Insgesamt wurden 251 Bewerbungen für eine Spende eingereicht. 120 regionale Vereine und Institutionen wurden von den Regionalkuratorien, bestehend aus Aufsichtsräten, Beiräten und den Regional-Direktoren der Volksbank, im Dezember 2019 ausgewählt. Einen Spendenscheck über 500 Euro konnten auch wir bei der Abschlussveranstaltung am 16. Dezember 2019 entgegennehmen. Dank dieser großzügigen Spende fällt uns die Anschaffung unserer neuen Matten deutlich leichter.

Andi, Sabrina und Steve bei der Scheckübergabe in der Volksbank Herrenberg-Nagold-Rottenburg, zusammen mit Martin Graf (links, Stiftungsvorstand) und Jürgen Gote (rechts, Regionaldirektor Privatkunden).
Außer uns haben sich aber auch Christine Laur und Susanne Helmer von der TSV-Abteilung TanZeitLos über eine tolle Spende gefreut! Links im Bild Werner Rilka (Regionaldirektor Firmenkunden).

Eine klasse Sache! Wir bedanken uns im Namen der gesamten Abteilung noch einmal ganz herzlich!

We’re all crazy – Iain Abernethy in Stuttgart

We’re all crazy – Iain Abernethy in Stuttgart

(Lesezeit: 5 Minuten)

Zu Iain Abernethy sensei braucht man in Karatekreisen eigentlich nicht allzu viel zu erklären: 7. Dan, aus England, beschäftigt sich seit Kindertagen mit Karate und ist renommierter Buchautor. Seine Spezialthemen sind Selbstverteidigung und Kata-Bunkai (die „Entschlüsselung“ der Einzeltechniken von Kata). Er unterrichtet weltweit auf Seminaren. Der Mann ist also eine Koryphäe, und – wie ich in Stuttgart auch live feststellen konnte – dazu noch ein sehr sympathischer und humorvoller Erzähler (mit gewöhnungsbedürftigem Slang, wenn man Schul-Englisch gewohnt ist).

Auf seinem Youtube-Kanal „practicalkatabunkai “ bekommt man schon beim Trailer-Anschauen einen guten Eindruck davon, wie er Karate für die Selbstverteidigung zur Anwendung bringt.

 

Bullenheiß war’s am letzten Juni-Wochenende, ca. 100 Karateka hatten sich in der Wolfbuschhalle in Weilimdorf zusammengefunden. Die meisten wie zu erwarten Dan-Träger, nur wenige trugen Kyu-Grade. „O.k., dann bin ich schon mal nicht der Einzige, der nicht über ein Repertoire von 20 oder mehr klassischen Kata verfügt“, denke ich. Denn um Kata und ihre Anwendung soll es heute gehen. Dass ich keine dieser Kata kann, stellt sich als vollkommen egal heraus.

Wir üben einen kurzen Drill: Den Nacken des Angreifers fassen, zwei schnelle Handballenstöße ins Gesicht und sofort noch einen Ellenbogen hinterher, mit der rechten Hand linksrum um den Kopf fahren, die Person nach vorne ziehen, um einen Kniestoß zu geben, weiter zu Boden bringen, noch einmal tettsui auf den Kopf/Nacken oder Rücken schlagen und noch auf den Fuß oder das Fußgelenk stampfen, bevor man sich entfernt. O.k., der Typ dürfte fertig sein, eindrucksvoll.

Am Beispiel einiger Stellen aus klassischen Kata zeigt uns Iain, dass viele Kata oft fehlinterpretiert werden. Die Distanz spielt dabei seiner Ansicht nach eine Schlüsselrolle, denn oft geht man davon aus, dass sich Gegner – wie in Chuck-Norris-Filmen – so auf 2-3 oder 4 Meter gegenüberstehen. In Selbstverteidigungssituationen gibt es dabei aber aus Iains Sicht gar keinen Kampf, denn beide könnten ja jederzeit einfach davonlaufen. Der Kampf entsteht erst, wenn der Abstand überbrückt wurde, man sich also in der Nahdistanz befindet, so dass man treten, schlagen oder auch zugreifen kann. Und wie gesagt machen die meisten Techniken der Kata viel mehr Sinn, wenn man von unmittelbarer Nahdistanz ausgeht. Da ich sämtliche erwähnten Kata sowieso nicht beherrsche, kommt mein Weltbild dadurch zum Glück nicht ins Wanken. Aber ich speichere nochmal ab, dass Karate sich ursprünglich als Selbstverteidigung und damit für die Nahdistanz entwickelt hat.

Einer der Pioniere in der Entwicklung des Karate auf Okinawa war Motobu Choki, er lebte von 1870 bis 1944. Er hat u. a. zwölf Partnerdrills/Kumite-Abläufe erdacht, durch deren Erlernen und Einstudieren man auf verschiedene Angriffe reagieren können soll. Einige dieser Drills haben wir mit unserem Partner ausprobiert. Was sie gemeinsam hatten und was auch Iain Abernethy als eines von Motobus Grundprinizipien herausstellte: Man geht ausschließlich nach vorne, es gibt niemals ein Zurückweichen. Unter Selbstverteidigungsaspekten erscheint das schlüssig. Wenn man sich z. B. Krav-Maga-Techniken anschaut, sieht man das auch; das Prinzip ist, so schnell und so hart wie möglich zu antworten. Als alleinige Wahrheit würde ich dieses Niemals-Zurückweichen jedoch nicht gelten lassen, denn es gibt auch eine Menge Techniken, bei denen man den Angriff eher annimmt und umleitet, um z. B. einen Hebel oder Wurf anzusetzen. Das Eine ist eben reine Selbstverteidigung, das Andere ist Kampfkunst, wo man sich mit allen Möglichkeiten beschäftigen darf. Aber heute geht es um Selbstverteidigung.

Ein weiteres interessantes Prinzip und Thema auf unserem Seminar ist das der „naheliegendsten Waffe“. Im „Clinch“ war die Aufgabe, dass der eine Partner nur locker verteidigt und der andere nach Lücken sucht, um z. B. Ellenbogen, Tritte, Kopfstöße, Griffe in die Weichteile, Augenstechen und sogar Bisse anzubringen. Nach Ablauf von einer Minute ist der andere Partner an der Reihe. Iain Abernethy hat erklärt, dass solche spielerischen – und vor allem sehr spaßigen – Übungen grundsätzlich ein gutes Kumite-Training darstellen. Steve und ich haben noch lustige Geräusche eingebaut, z. B. ein „Biep!“ beim Augenstechen, welches zur Schonung der Sehorgane natürlich nur gegen die Stirn ausgeführt wird. In Iains Dojo gehören solche Übungen nach seiner Aussage zum Standardprogramm, man lernt Bewegungen des Partners (Gegners!) früh zu erspüren oder zu sehen und Lücken zu erkennen und auch zu erschaffen.

Ganz wichtig dabei: Aufeinander achten! Beide Partner brauchen für den motivierenden Spaßfaktor ihre Erfolgserlebnisse. Und niemandem nutzt es etwas, wenn Leute im Training sind, die unbedingt beweisen möchten, dass sie besser oder stärker sind als andere. Die wichtigste Person im Dojo ist immer der Trainingspartner. Ihn muss man gut hegen und pflegen, sich auf ihn, seinen Leistungsstand und seine Konstitution, aber auch auf die für ihn passende Trainingsintensität einstellen – denn man möchte mit und von ihm lernen. Und man will, dass auch er zum nächsten Training wieder im Dojo erscheint. Iains humorvolles Dojo-Motto heißt deswegen „No heroes, no assholes!“ Großartig, oder?!

Zurück zu unserem Partnerdrill vom Anfang – jetzt holen wir endlich die Pratzen raus! Und es wird laut! Abwechselnd ziehen wir die Pratzen an und spielen den Dummy, dann tauschen wir. Iains Auftrag an uns: Vollgas geben und dabei richtig Aggression rauslassen, da einem dies in echten SV-Situationen noch mehr Power gibt und es das Gegenüber vielleicht einschüchtert. Wir hauen uns also schön, die meisten brüllen sich dabei an, es ist einfach herrlich… obwohl es zumindest mich auch etwas nachdenklich macht. Steve wirkt auch nicht, als wäre das total sein Ding. Tja, das Thema Aggression. Ob man überhaupt Aggression in sich trägt, um so etwas in einer SV-Situation abzurufen, das möchte ich zumindest für meine Person doch arg in Frage stellen.  Vielleicht sind solche Drills etwas, was wir öfter üben sollten? Die Frage ist, ob man, angegangen von keine Ahnung wem, nicht eher perplex/baff/überrascht/verständnislos oder sonstwie reagiert, im schlimmsten Fall wie gelähmt, und damit einen guten Teil des Verteidigungsmoments vergibt. Da ist ganz viel wirklich Typsache. Was „nutzt“ jede Kampfkunst, wenn man im Ernstfall nicht der „Typ dafür“ ist???

Iains Yame holt mich gedanklich wieder in die inzwischen brütend heiße Sporthalle zurück. Sein Kommentar danach in etwa: „We’re all crazy, spending a weekend at 39° in a gym and beating the crap out of each other while our neighbors are sitting in their gardens drinkin‘ some cold stuff. O.k., of course we‘re crazy – I mean, we’re martial artists. That IS crazy, isn’t it?“

Diese Aussage hallt auf dem Heimweg in meinem Kopf nach, der brummt nämlich ordentlich. Verrückt, ja, schon irgendwie.

 

Der Sonntag steht im Zeichen des Bodenkampfes. Iain wird uns an eine von ihm selbst erdachte Boden-Partnerform heranführen. Es geht darum, aus diversen Mounts/Haltegriffen etc. wieder herauszukommen, oder gar nicht erst hineinzugeraten, indem man den Ausführenden im rechten Moment stört und eine eigene Technik ansetzt. Iain erklärt dazwischen wieder sehr viel und setzt noch ein wichtiges Statement: Die Kampfkunst ist ein weites Feld, und die meisten sind ihrer Lieblingsecke unterwegs, Karateka schlagen und treten die meiste Zeit. Um ein etwas abgerundeter Kampfkünstler zu werden, und gerade im Hinblick auf Selbstverteidigung, sollte man ein wenig über den Tellerrand schauen. Einem Karateka schade es keinesfalls, wenn er sich z. B. im Bereich Fallen/Werfen/Hebeln mal zirka auf Judo-Orangegurt-Niveau bewegt. Da bleibe man immer noch Karateka. Es grüßt an dieser Stelle herzlich Patrick McCarthy hanshi, „thinking out of the box“.

Mittags ist dann Schluss, Ende des Seminars. Affenhitze und wieder gar nicht so viel trinken können, wie rausgeschwitzt.

Vielen Dank an Steve für’s Begeistern, Mitnehmen und Riesenspaß, ans Uni-Dojo Stuttgart für’s Ausrichten und an Iain Abernethy sensei für die Übungen, amüsanten Geschichten und reichlich Denkanstöße. Und seine Begeisterung! Wenn ihr mal einige seiner Erklär-Videos anschaut, dann seht ihr, wie seine Augen beim Thema Karate glänzen. We’re all crazy.

 

P.S.: Gerade kam noch ein neues Video rein, Iain Abernethy bei Jesse Enkamp.

Seminar am 17.+18. März in Königsbrück: Bojutsu und Nyumon

Seminar am 17.+18. März in Königsbrück: Bojutsu und Nyumon

Auf den Seminaren tummeln sich immer dieselben Leute: Manche stehen kurz vor einer Graduierung und nutzen jede Gelegenheit, um mit Olaf zu üben. Naja, sie müssen auch, wenn sie graduieren wollen. Andere haben schon einen Dan-Grad oder sogar den zweiten oder mehr, und sind auch immer da, um von Olaf sowie auch voneinander zu lernen. Andere Seminarteilnehmer, wie ich, sind Jahre von einer hohen Graduierung entfernt, und kommen trotzdem ab und an dazu. Mich hat diesmal das Ausschreibungsthema angelockt: Morgens die Bo-Kata „Shirotaro no kon“ und die Bo-Partnerform „Peichin Kumibo“ lernen. Und mittags Nyumon, „Grundschule“. Bo macht Spaß und bei Nyumon gibt es immer was zu lernen oder zu verbessern, auch wenn man die Form schon kann.

Äh… Schon kann? Wann kann man denn eine Form? Und kann man eine Form überhaupt können?

Bedeutet Können, eine Form so vorzuführen, dass ein anderer Karateka diese erkennen und benennen kann? Oder bedeutet Können, ganz viele Details (die ein Anfänger im Sinne einer didaktischen Reduktion noch gar nicht alle gezeigt bekommt, und die man ihm erst im Laufe der Zeit an die Hand gibt) bewusst zu beachten? Oder ist Können, wenn man dieses „Beachten“ bereits überwunden hat, also die Details nach einigen Jahren der Übung nicht mehr bewusst beachtet, sondern sie so in die Bewegung integriert hat, dass sie automatisch ablaufen? Und andersherum, was ist, wenn man eine Form schon seit Monaten nicht mehr geübt hat? Besteht dann nicht die Gefahr, Details auch wieder zu vergessen? Wenn man die Form seit Langem mal wieder übt und feststellt, dass der Ablauf klemmt? Sind die Details dann mit weg?

Und was ist, wenn man auf ein Seminar fährt und eine Form drankommt, die man schon recht gut zu „können“ glaubte, und mit neuen Details nach Hause kommt, die so schlüssig erscheinen, dass man sich fragt, warum man das nicht schon vorher bemerkt hat? Auf diesem Seminar war dies für mich bei Heishu-waza der Fall. Neu im Kopf:

Frontal stehen vor 1. Empi,

Koordination Aufwärtshaken + Füße gyaku,

„Shuffle-Fuß“ vor dem Kniestoß,

„Schiebe-Hand“ auch gegen den Hals möglich.

Wenn ich jetzt also solche neuen Details in eine Form integriere, indem ich die Form am Seminarort 30 mal übe und zu Hause und im Dojo im Laufe der Zeit noch öfter, natürlich wird dann die Form besser. Natürlich besteht auch die Gefahr, dass ich Details wieder „vergesse“ – das könnte übrigens auch heißen, dass man eine Bewegung schon noch ausführt, man aber nicht mehr weiß, warum man die Bewegung eigentlich genau so macht – das Detail würde dann beliebig austauschbar.

Wichtig erscheint mir dies besonders, wenn man ein solches Detail nicht nur in einer einzigen Form braucht, sondern es eher ein Prinzip ist, das sich auf alle möglichen Situationen anwenden lässt. Also auch auf andere Formen. Wenn ich das Detail dann so „verstanden“ habe, dass ich es auch in anderen Formen bzw. Situationen benutze, dann sieht nicht nur mein Heishu-waza besser aus, sondern mein Karate ist insgesamt besser geworden.

„Kann“ ich die Form jetzt? Vielleicht besser, ja. Perfekt nie. Dazu kommt: Auf dem nächsten Seminar kann plötzlich diskutiert werden, ob ein Detail nicht genau andersherum richtig sei. Ja was denn nun? Aha, „es kommt darauf an“, heißt es dann, denn der Angreifer könnte ja auch… (z. B. mehr von vorne kommen, mittendrin noch treten, breiter als hoch sein oder 180 kg wiegen). Wichtig sei, dass du alle Möglichkeiten kennst und situativ intuitiv entscheidest, wie du es machst. Hauptsache, du weißt, was du tust. Ach du je, noch mehr zu lernen… Also wieder 30 mal rauf- und runterüben und auch noch an Alternativen denken? Moment, ist das überhaupt richtig, eine vom KU-Gründer festgelegte Form „anders“ zu machen? Warum heißt es Nyumon, warum lernen wir es als Anfänger genau so und nicht anders, und plötzlich sollen wir etwas anders machen? Weil wir an diesem Punkt, an dieser Stelle, kein Anfänger mehr sind, sondern auf dem Weg uns langsam weiterzuentwickeln?

So weit, so ermutigend. Nächste Frage. Warum entwickelt man sich in anderen Dingen überhaupt nicht weiter, warum tritt man auf der Stelle? Wie soll man Angewohnheiten wegbekommen, die immer wieder durchkommen? Dauerthemen:

Blickrichtung beim Üben: nicht nach unten, sondern nach vorne schauen;

Schultern: nicht hochziehen, sondern locker lassen, immer nur bei der konkreten Technik anspannen;

Atmung: nicht anhalten, sondern fließen lassen.

Wie das jetzt gehen soll, dies alles permanent richtig zu machen, weiß ich nicht, aber sich solcher Dinge bewusst zu sein und es immer wieder zu versuchen, erscheint mir der erste richtige Schritt zu sein.

Der zweite Schritt könnte sein, es aktiv zu üben. Weil man sich aber nicht auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren kann (auch Ihr nicht, liebe Damen ;-)), könnte man immer dann daran arbeiten, wenn der Kopf gerade relativ frei ist. Also dann, wenn man z. B. Formen übt, bei denen man weniger über den Ablauf nachdenken muss, weil man diesen bereits im Körper abgespeichert hat. So jedenfalls mein Vorsatz für die nächste Zeit.

Zurück nach Königsbrück:

Samstagsmorgens also die Bo-Kata „Shirotaro no kon“ und sonntags die Bo-Partnerform „Peichin Kumibo“ gelernt? Äh… nein. Weder das eine noch das andere, denn so weit kam es gar nicht. Verbessert: Griffwechsel, Fußarbeit, Schläge und Stöße, einige Solo- und Partnerdrills. Danke hier vor allem an den geduldigen Hendrik, aber auch an Christian und Lutz. Allgemein und immer natürlich danke an Olaf, heute vor allem mal dafür, sich partout nicht werfen zu lassen. Für Heishu-waza besonderen Dank an Felix, für die Tegumis und die Schlussübung an Steve. Locker, ja, locker, danke, genau, stimmt ja…

Weitere Themen aus diesem Wochenende – teils kurz und knackig beantwortbar, teils jeweils längere eigene Betrachtungen wert, aber hier und heute allenfalls im Geiste beantwortet:

Ist das mit dem Locker-Bleiben eigentlich bei Partnerformen genauso? Wie einfach dürfen wir es unserem Partner machen, wenn das alles „im Ernstfall“ was bringen soll? An welchen Stellen akzentuieren?

Wieviel ist eigentlich 250, und sind erneute 250 genauso wenig?

Wer ist die wichtigste Person im Dojo?

Wer hat (k)ein Patch?

Was ist die Holzhacker-Methode und ist sie vielleicht ein Stil?

Wofür brauchen wir kyu-Grade, oder würde uns eine Einteilung in Weiß- und Schwarzgurte genügen?

Soll ich als Anfänger denn überhaupt auf Seminare gehen?

Nutzen mir Seminare mit „Insel-Themen“ etwas, d. h. Themen, die man mal auf einem Seminar behandelt, die aber im weiteren Training nicht wieder aufgegriffen werden?

Geht jemand sonntags nach dem Seminar noch ins Dojo?