Bo- und Karate-Seminar mit Sensei Olaf Krey am 23./24.11. in Königsbrück

Bo- und Karate-Seminar mit Sensei Olaf Krey am 23./24.11. in Königsbrück

Der Versuch alles unter einen Hut zu bekommen.

Selten waren Seminarwochenenden in der Vergangenheit so wechselvoll wie dieses. Es begann mit der Abfahrt. Bis wann arbeitet man freitags um bei der Arbeit nicht zu viel liegen zu lassen? Welche Abfahrtszeit ist die richtige um nicht 2 Stunden im Stuttgarter Stau zu verbringen? Wann will man eigentlich ankommen?

Nun letztlich waren Ruben und ich dann gegen 22 Uhr in Königsbrück. Dort trafen wir uns in einem gemütlichen Kreis mit Olaf, Hendrik, Sascha und Christopher und aßen noch eine Kleinigkeit zusammen. Ruben ging dann ins Furyu Dojo um dort zu übernachten, ich in mein unweit vom Dojo entferntes Elternhaus. Zum Frühstück trafen wir uns wieder. Wir liefen zum Bäcker und aßen im Furyukan zum Frühstück. Nun ging es zum Seminar.

Ausgeschrieben war das Seminar mit jeweils einer Bo-Einheit am Samstag- und Sonntagvormittag. Danach jeweils Karate bis in die frühen Abendstunden. Abwechslung wurde also schon im Vorfeld offeriert. Wir begannen also mit einer ausgiebigen Erwärmung, bei der die eine oder andere neue Übung für mich dabei war. Anschließend beschäftigten wir uns mit Bo-Zuki und kesa uchi (dem schrägen Schlag mit dem Bo). Am Nachmittag gingen wir zum Karate über. Kaishu waza war hier das Thema. Wir übten intensiv an der Partnerübung, verbrachten aber auch Zeit mit der Soloform.

Zum Ende der Übungszeit, die wir mit der Partnerform verbracht hatten, sollten wir noch 5 mal mit verschiedenen Partnern jeweils einen Durchlauf üben. Dabei fiel mir auf, dass die Mehrzahl der Partner nun durch die Form „rannten“. Viele vergaßen die Aspekte, die wir vorher in mühevoller Detailarbeit beleuchtet hatten. Anschließend fragte ich Olaf nach dem „optimalen“ Timing zu dieser Form. Seine Antwort war sinngemäß: Es kommt darauf an. Er betonte, dass die Nyumon-Formen keinen „Selbstzweck“ haben. Wir üben sie nicht damit wir irgendwann „schöne“ Grundformen laufen können. Wir üben sie als Werkzeug um Prinzipien zu erlernen und zu üben. Und je nachdem was wir gerade üben wollen (Kondition, Kraft, Ausdauer, Genauigkeit, Geschwindigkeit, Reaktionsvermögen, …), so kann die Form eben auch unterschiedlich gelaufen werden. Auch hier versuchen wir oftmals „alles“ unter einen Hut zu bekommen, obwohl wir nicht alle Trainingsaspekte gleichzeitig trainieren können.

Zum Abschluss des Trainingstages kreirte Olaf noch eine Partnerform, die man aus der Kaishu waza Soloform interpretieren könnte. Wer beide Formen kennt, weiß, dass die Partnerform und die Soloform im Normalfall etwas „auseinanderlaufen“. Dann war der Tag schon wieder „rum“.

Ich entschied mich den Abend mal nicht mit zum üblichen Seminarabendessen zu gehen, sondern die Zeit mit meinem Vater zu verbringen. Somit gingen Ruben und ich bis zum Seminarbeginn am Sonntag getrennte Wege. Laut Hörensagen kann man aber auch ohne mich schöne Abende verbringen 😉.

Am Sonntag übten wir zu Beginn wieder einige Partnerübungen mit dem Bo. Wir wiederholten Details vom Samstag und ergänzten schrittweise die Form um immer mehr Elemente. Schließlich teilten wir die Gruppe auf und die Fortgeschrittenen übten die Partnerübung „Peichin kumibo“. Hier ein Video von der Ausführung von Sensei McCarthy: https://youtu.be/FI_7jJCNfRY

Statt dem Training am Nachmittag, widmete ich nun meine Zeit meiner Schwester und ihren beiden Kindern. Auch die Zeit kam eigentlich viel zu kurz, da die Rückfahrt nach Gärtringen auch immer reichlich Zeit benötigt. Auch Ruben ging einen anderen Weg, er wollte weiter nach Berlin um am 29.11.2019 bei einer größeren Demo von „Fridays for Future“ teilzunehmen.

Immer alles unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach. Dinge „halbherzig“ zu tun, bringt sicher auch Nachteile mit sich. Sich auf wenige Dinge zu beschränken, bringt aber auch nicht nur Vorteile. Letztlich muss jeder für sich selbst und immer wieder entscheiden worin er seine Zeit „investiert“.

You only get out what you put in.

KU-Sommerlager vom 27.07. bis 04.08.2019

KU-Sommerlager vom 27.07. bis 04.08.2019

Für alle, die vom Sommerlager noch nie etwas gehört haben, will ich es kurz erklären.

Dieses Trainingslager, an welchem nur Leute teilnehmen dürfen, die auch im Alltag KU üben, findet jedes Jahr im Sommer am Frauensee in der Nähe von Berlin statt. Karateka aus ganz Deutschland finden sich hier zusammen um eine Woche lang sehr intensiv zu trainieren.

Wir waren rund 35 Personen aber dieses Zahl schwankte während der Woche weil manche später dazu kamen und andere früher gehen mussten.

Steve und Sabrina hatten mir viel davon erzählt und somit war ich schon „gewarnt“, als ich dort alleine hinfuhr. Gewarnt vor dem anstrengenden Trainingsplan welchen ich unten beschreibe, gewarnt vor dem (gefühlt) endlosen Drills&Workouts und so weiter. Sie hatten mir aber auch von dem guten und abwechslungsreichen Training, der guten Gemeinschaft und diesem speziellen Flair erzählt und deswegen schaute ich der Woche optimistisch entgegen.

Der Tagesablauf war jeden Tag gleich:
07:30 – Frühsport im Sand (Teilnahme freiwillig)
08:00 – Frühstück
10:00 – Erste Trainingseinheit mit dem Thema Kata und deren Partnerformen
12:15 – Mittagessen
15:00 – Zweites Training, hier haben wir uns mit Waffen beschäftigt
17:45 – Abendessen
19:00 – Drittes Training, Thema war der Freikampf mit Elementen aus dem Boxen, MMA, Kickboxen und Muay Thai.

Wir trainierten auf einem von hohen Bäumen beschatteten Platz welcher nur 100 Meter vom See entfernt liegt. Der Boden ist, wie für die Region typisch, sehr sandig und überall lagen die Pineapples, äh ich meine die Kiefernzapfen auf dem Boden. Wir nannten sie aber scherzhaft Pineapples (englisch für Ananas) weil sie jemand am ersten Tag aus versehen so genannt hatte.

Nach jedem Training war man komplett durchgeschwitzt und auch sehr sandig da man während des Trainings des öfteren auf dem Boden oder im Sand des nahe gelegenen Volleyballfeldes gelandet war. Um es direkt zu sagen, manchmal sahen wir alle aus wie panierte Schnitzel! Von oben bis unten voller Sand, welcher sich zum Glück beim sofort nach dem Training stattfindenden Bad im erfrischenden See abspülen lies.

Wir machten sehr oft Partnerwechsel und somit hatte ich die großartige Chance, mit sehr sehr vielen Schwarzgurten und einfach unterschiedlichen Leuten zu trainieren. Von jedem konnte ich etwas lernen und da ich diese ganzen Details und neuen Übungen unmöglich alle im Kopf behalten konnte, schrieb ich nach jedem Training alle neuen Details und so weiter auf. Nach der Woche hatte ich dann ganze 26 DIN A4 Seiten voll geschrieben und habe so genügend Sachen an denen ich die kommenden Monate üben kann.

Die Gemeinschaft war hervorragend! Egal wie fertig alle waren, es gab immer jemand, der einem einen aufmunternden Blick zugeworfen hat oder einen während der Drills motiviert hat, nochmal schneller zu werden obwohl man das Gefühl hatte, es ginge nicht mehr. Dieses Gefühl, keine Sekunde, keine Liegestütze länger durchhalten zu können, hatte ich öfters. Das Erstaunliche daran war aber, dass ich jedes mal DOCH noch weiter machen konnte. Diese Grenze die mein Kopf mir zeigt ist nicht die Grenze meines Körpers. Als wichtige Lektion habe ich also gelernt, dass man nicht nur den Körper trainieren muss, sondern auch den Geist. Durchhalten habe ich auf jeden Fall gelernt in dieser Woche.

Während wir nach einer Einheit Dehnübungen im Sand machten – es hatte gerade geregnet und somit war der Sand nass und klumpig – fiel mir ein Vergleich ein: Eigentlich ist Sand doch wie die Zeit. Wir Menschen können die Zeit nicht anhalten, weil wir sie einfach nicht zu fassen bekommen. Sie läuft beständig weiter. Genau das gleiche passiert doch, wenn wir versuchen, trockenen Sand mit der Hand festzuhalten. Er zerrinnt uns einfach zwischen den Fingern, genauso wie die Zeit.

Aber wir Menschen empfinden das Vorübergehen von Zeit nicht immer gleich schnell. Geht es uns zum Beispiel nicht gut, vergeht die Zeit gefühlt viel langsamer. Also kann man doch die schlechten Zeiten mit nassem Sand vergleichen, ihn können wir mit der Hand festhalten. Aber zum Glück nicht ewig, weil es kommt sicher wieder die Sonne raus (=die schlechten Zeiten sind vorbei) und trocknet den Sand, womit der normale Zeitfluss wieder einsetzt.

Dass man die Zeit nicht anhalten kann, sagt uns auch das Motto, welches dieses Jahr auf den T-Shirts stand: „ichi go ichi e“

Dieser japanische Satz bedeutet übersetzt ungefähr: „Ein Moment kommt, ein Moment geht“ , was heißen soll, dass man im jetzt und hier leben soll. Nicht in der Vergangenheit, aber auch nicht in der Zukunft sondern genau jetzt. Wir sind nicht in der Lage, Momente einzugefrieren und somit festzuhalten und können einfach nur in den Fluss des Lebens und der Zeit eintauchen und es genießen.

Als abschließendes Fazit kann ich sagen, dass sich diese Woche unglaublich für mich gelohnt hatte und ich auf jeden Fall wieder hin gehen werde.

Yudanshakai auf der Wewelsburg am 2. und 3. März 2019

Yudanshakai auf der Wewelsburg am 2. und 3. März 2019

(Lesedauer ca.2min)

In diesem Jahr hatte ich wieder die Gelegenheit an dem „Yudanshakai“ der KU-Community in Deutschland teilzunehmen. An dieser Trainingsgelegenheit nehmen nur Schwarzgurte im KU teil, und damit ergibt sich daraus eine besonders intensive Lerngelegenheit.

 

Was übt man nun „Geheimes“ bei so einem Seminar?

Nun, prinzipiell übt man ähnliche Inhalte wie bei allen anderen Seminaren. Angefangen mit einer Bodeneinheit am Freitagabend, über eine Bo-Einheit am Samstagmorgen, eine freie Einheit am Samstagabend und am Schluss eine Grundlagen-Einheit am Sonntagmorgen.

 

Und was macht man sonst so?

Dieses Seminar bietet neben den Trainings eine sehr wichtige Plattform um sich auszutauschen. Bei quasi keinem anderen Seminar haben die Schwarzgurte so viel Zeit und Möglichkeiten miteinander ins Gespräch zu kommen. So wird zum Beispiel die obligatorische Wanderung am Samstagnachmittag genutzt, um ausgiebig im Einzelgespräch oder kleineren Gruppen über verschiedenste Themen, wie den eigenen Fortschritt, das Dojo in der Heimat oder auch die kommenden Seminare zu sprechen. In diesem Jahr hatten wir zusätzlich einen sehr spannenden Austausch am Samstagabend. Moderiert durch Hendrik Felber hatte hier jeder die Gelegenheit die folgenden 3 Fragen zu beantworten:

  • Wann und warum würdest du mit Karate aufhören?
  • Wann und warum würdest du mit KU aufhören?
  • Hat man ab dem 1.Dan eine höhere Verantwortung für die KU-Gemeinschaft?

 

Und was waren die häufigsten Antworten auf diese Fragen?

Ich kann jetzt an dieser Stelle keine Statistik vorlegen, aber ich versuche den Tenor wiederzugeben. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die meisten, die zu diesem Seminar fahren, nicht mit dem Gedanken spielen, mit dem Karate aufzuhören. Aber dennoch kann man niemals vorhersehen, was die Zukunft bringt. Gesundheitliche Einschränkungen, die persönliche Lebenssituation oder auch der Spaß an der Sache sind nicht ewig weit in die Zukunft prognostizierbar. Viele der Karateka konnten sich kaum vorstellen mit dem Karate jemals aufzuhören. Und was KU betrifft, so erhoffen sich die meisten, dass sich die Struktur, die Flexibilität und die Lerngelegenheiten nicht ändern werden.

 

Aber was ist nun mit der Verantwortung?

Die meisten der Karateka vor Ort hatten dazu eine ähnliche Ansicht. JA, die Verantwortung für KU und die Gemeinschaft steigt mit einem Dan-Grad vermutlich (weiter) an. Aber die Meinung der meisten war auch, dass das nicht sprunghaft oder erst mit dem 1.Dan geschieht. JEDER, der in ein Dojo geht und KU übt, übernimmt eine Verantwortung. Oftmals ist man sich einer Verantwortung nicht bewusst und vor allem hat jeder Mensch auch in erster Linie eine Verantwortung für sich selbst. Aber ähnlich wie man gegenüber seiner Familie, seinen Kindern, Haustieren, Nachbarn, Verkehrsteilnehmern, Arbeitgebern oder oder oder eine Verantwortung hat, so gibt es auch eine Verantwortung im Karate (KU). Am Anfang beginnt diese vielleicht „nur“ mit der Überweisung des Mitgliedbeitrags, dem Fegen des Dojos oder dem Ausfüllen einer Anwesenheitsliste. Später kann es sein, dass Du anderen die „ersten Schritte“ beibringen darfst, Trainingslager mitorganisierst oder gar ein „eigenes“ Training führst. Die Verantwortung wächst, jedenfalls in den meisten Fällen. Aber davor brauchst Du keine Angst haben, denn bekanntlich „wächst man mit seinen Aufgaben“.

 

Danke für das tolle Seminar und die Gelegenheit zum Lernen. Was in meiner Betrachtung bisher komplett fehlt, ist ein Kommentar zur Wewelsburg. In aller Kürze, die Jugendherberge in der Burg war wirklich sehr schön und falls es mal jemanden dahin verschlägt, ihr solltet auf jeden Fall eine Führung im Museum mitmachen. Hier hatten wir eine der unterhaltsamsten Führungen, die man in Museen so erleben kann.

Training mit Sensei Olaf Krey am 20.01.2019

Training mit Sensei Olaf Krey am 20.01.2019

An diesem Sonntag kam Olaf Krey erstmalig für 2 Trainingseinheiten extra nach Gärtringen. Im Training konnten wir reichlich Korrekturen mitnehmen und damit genug Input für einige weitere Trainingseinheiten. Diese Betrachtung soll nun 2 Aspekte beleuchten, die ich im weiteren Text näher ausführen werde.

1. Warum sollte ich mir Zeit nehmen für ein Training mit Olaf Krey? Und das auch noch sonntags?
Zu dieser Frage finde ich mindestens 3 Argumente:

  • Olaf fordert und fördert auf individuellem Niveau und setzt genau dort an, wo Du Potentiale hast
  • Olaf beeindruckt durch eine technische Präzision, die ihresgleichen sucht und eröffnet Dir damit eine spannende Perspektive wohin sich Deine Kampfkunst entwickeln kann
  • Für Olaf steht die Funktionalität einer Technik im Vordergrund, unabhängig ob Schlag, Tritt, Wurf oder Bodenarbeit und dadurch lernst Du auch das, was funktioniert

Hier gibt es sicher noch 20 Argumente mehr, die man aufführen könnte. Unterm Strich bleibt aber zu sagen, wenn Du Deine Kampfkunst weiterbringen willst, solltest Du kein Training mit Olaf mehr verpassen.

2. Was konnte man aus diesem Training konkret mitnehmen?
Auch hier beschränke ich mich heute auf 3 Punkte.

  • Du bist NIE fertig mit einer Form. Auch wenn Du eine Form vielleicht schon hundert mal gemacht hast, hier gibt es immernoch reichlich Potential Dich und Deine Form weiterzuentwickeln.
  • Wenn Du den Hebel exakt ausführst, reicht bei der Ausführung oftmals auch sehr wenig Kraft aus.
  • Brich gelegentlich aus der Form aus. Probiere was passiert, wenn Du oder Dein Partner anders reagiert, als es die Grundform vorsieht. Hier kannst Du unendlich viel Übungspotential entdecken.

Ich bedanke mich bei Olaf für diese Lerngelegenheit und hoffe auf die Nächste.