KU-Sommerlager vom 27.07. bis 04.08.2019

KU-Sommerlager vom 27.07. bis 04.08.2019

Für alle, die vom Sommerlager noch nie etwas gehört haben, will ich es kurz erklären.

Dieses Trainingslager, an welchem nur Leute teilnehmen dürfen, die auch im Alltag KU üben, findet jedes Jahr im Sommer am Frauensee in der Nähe von Berlin statt. Karateka aus ganz Deutschland finden sich hier zusammen um eine Woche lang sehr intensiv zu trainieren.

Wir waren rund 35 Personen aber dieses Zahl schwankte während der Woche weil manche später dazu kamen und andere früher gehen mussten.

Steve und Sabrina hatten mir viel davon erzählt und somit war ich schon „gewarnt“, als ich dort alleine hinfuhr. Gewarnt vor dem anstrengenden Trainingsplan welchen ich unten beschreibe, gewarnt vor dem (gefühlt) endlosen Drills&Workouts und so weiter. Sie hatten mir aber auch von dem guten und abwechslungsreichen Training, der guten Gemeinschaft und diesem speziellen Flair erzählt und deswegen schaute ich der Woche optimistisch entgegen.

Der Tagesablauf war jeden Tag gleich:
07:30 – Frühsport im Sand (Teilnahme freiwillig)
08:00 – Frühstück
10:00 – Erste Trainingseinheit mit dem Thema Kata und deren Partnerformen
12:15 – Mittagessen
15:00 – Zweites Training, hier haben wir uns mit Waffen beschäftigt
17:45 – Abendessen
19:00 – Drittes Training, Thema war der Freikampf mit Elementen aus dem Boxen, MMA, Kickboxen und Muay Thai.

Wir trainierten auf einem von hohen Bäumen beschatteten Platz welcher nur 100 Meter vom See entfernt liegt. Der Boden ist, wie für die Region typisch, sehr sandig und überall lagen die Pineapples, äh ich meine die Kiefernzapfen auf dem Boden. Wir nannten sie aber scherzhaft Pineapples (englisch für Ananas) weil sie jemand am ersten Tag aus versehen so genannt hatte.

Nach jedem Training war man komplett durchgeschwitzt und auch sehr sandig da man während des Trainings des öfteren auf dem Boden oder im Sand des nahe gelegenen Volleyballfeldes gelandet war. Um es direkt zu sagen, manchmal sahen wir alle aus wie panierte Schnitzel! Von oben bis unten voller Sand, welcher sich zum Glück beim sofort nach dem Training stattfindenden Bad im erfrischenden See abspülen lies.

Wir machten sehr oft Partnerwechsel und somit hatte ich die großartige Chance, mit sehr sehr vielen Schwarzgurten und einfach unterschiedlichen Leuten zu trainieren. Von jedem konnte ich etwas lernen und da ich diese ganzen Details und neuen Übungen unmöglich alle im Kopf behalten konnte, schrieb ich nach jedem Training alle neuen Details und so weiter auf. Nach der Woche hatte ich dann ganze 26 DIN A4 Seiten voll geschrieben und habe so genügend Sachen an denen ich die kommenden Monate üben kann.

Die Gemeinschaft war hervorragend! Egal wie fertig alle waren, es gab immer jemand, der einem einen aufmunternden Blick zugeworfen hat oder einen während der Drills motiviert hat, nochmal schneller zu werden obwohl man das Gefühl hatte, es ginge nicht mehr. Dieses Gefühl, keine Sekunde, keine Liegestütze länger durchhalten zu können, hatte ich öfters. Das Erstaunliche daran war aber, dass ich jedes mal DOCH noch weiter machen konnte. Diese Grenze die mein Kopf mir zeigt ist nicht die Grenze meines Körpers. Als wichtige Lektion habe ich also gelernt, dass man nicht nur den Körper trainieren muss, sondern auch den Geist. Durchhalten habe ich auf jeden Fall gelernt in dieser Woche.

Während wir nach einer Einheit Dehnübungen im Sand machten – es hatte gerade geregnet und somit war der Sand nass und klumpig – fiel mir ein Vergleich ein: Eigentlich ist Sand doch wie die Zeit. Wir Menschen können die Zeit nicht anhalten, weil wir sie einfach nicht zu fassen bekommen. Sie läuft beständig weiter. Genau das gleiche passiert doch, wenn wir versuchen, trockenen Sand mit der Hand festzuhalten. Er zerrinnt uns einfach zwischen den Fingern, genauso wie die Zeit.

Aber wir Menschen empfinden das Vorübergehen von Zeit nicht immer gleich schnell. Geht es uns zum Beispiel nicht gut, vergeht die Zeit gefühlt viel langsamer. Also kann man doch die schlechten Zeiten mit nassem Sand vergleichen, ihn können wir mit der Hand festhalten. Aber zum Glück nicht ewig, weil es kommt sicher wieder die Sonne raus (=die schlechten Zeiten sind vorbei) und trocknet den Sand, womit der normale Zeitfluss wieder einsetzt.

Dass man die Zeit nicht anhalten kann, sagt uns auch das Motto, welches dieses Jahr auf den T-Shirts stand: „ichi go ichi e“

Dieser japanische Satz bedeutet übersetzt ungefähr: „Ein Moment kommt, ein Moment geht“ , was heißen soll, dass man im jetzt und hier leben soll. Nicht in der Vergangenheit, aber auch nicht in der Zukunft sondern genau jetzt. Wir sind nicht in der Lage, Momente einzugefrieren und somit festzuhalten und können einfach nur in den Fluss des Lebens und der Zeit eintauchen und es genießen.

Als abschließendes Fazit kann ich sagen, dass sich diese Woche unglaublich für mich gelohnt hatte und ich auf jeden Fall wieder hin gehen werde.

Seminar mit Olaf Krey in Jena 13.04 –14.04.2019

Seminar mit Olaf Krey in Jena 13.04 –14.04.2019

Lesezeit 4 Minuten

„Wenn man nur einen Hammer in seiner Werkzeugkiste hat, sieht jede Aufgabe aus wie ein Nagel“

Die Bedeutung dieses Spruches prägte das ganze Seminar, das Steve und ich zusammen besucht haben.
Es ging darum, das eigene Repertoire in Sachen Kampftechniken – egal auf welchem Stand es schon ist – zu erweitern.

Um in diesem Bild der Werkzeugkiste zu bleiben: Was macht man den nun, wenn einem eine Schraube begegnet? Fehlt das passende Werkzeug, steht man schnell vor einem Problem.

Olaf Krey nannte es auch so: „Wir haben eine Frage, aber müssen verschiedene Antworten parat haben.“

Das heißt, es reicht nicht, wenn man eine Technik („Antwort“) auf einen bestimmten Angriff („Frage“) parat hat. Ändern sich die Gegebenheiten wie die eigene momentane Verfassung oder das Können oder die Körperkraft des Gegners, funktioniert die lange geübte Technik vielleicht nicht oder nicht richtig. Dann muss man improvisieren können. Eben noch mehr Werkzeuge (Techniken) außer dem Hammer parat haben.

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Das Hauptthema des Seminars war die Kata Bassai. In der Ausschreibung des Seminars war folgende Erklärung dazu :

„Die Bassai ist eine der ältesten Kata überhaupt und bedeutet soviel wie „Die Festung erstürmen“ oder „Die Mauer durchbrechen“. Sie lässt sich auf die okinawischen Tōde-Kata zurückführen. Heute besteht die Annahme, dass sie bereits im 13. Jahrhundert von Chinesischen Meistern gelehrt wurde. Mit über 40 Einzel- (Grund)- techniken ist sie eine der längeren Kata. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Schnelligkeit und der Kraft, mit der die Techniken ausgeführt werden.“

Am ersten Seminartag gingen wir die Sache sehr praktisch und direkt in Partnerübungen an. Wir schauten uns also erst mögliche Anwendungen der Kata an und übten (oder lernten wie in meinem Fall) die Kata danach. In den Partnerübungen lernte ich ganz neue Techniken wie Würfe und Konter und konnte mit feinen Korrekturen von Olaf die schon beherrschten Techniken verbessern.

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Am zweiten Tag dann, mit ordentlich Muskelkater vom Vortag, liefen wir zu Anfang die Kata und übten dann die Partnerformen.
Halt Stopp, fast hätte ich die fast 1 Stunde dauernde, wirklich schweißtreibende Erwärmung vergessen. In teils spielerischen Situationen ging es zum Beispiel einfach darum, aufzustehen und von dem Partner daran gehindert zu werden. Klingt vielleicht einfach, aber mit Felix und Sascha (beides Schwarzgurte) in einer Gruppe musste ich wirklich alles geben um ab und zu auch mal hochzukommen.
Am Boden habe ich ganz besonders gemerkt, dass man mit Kraft nicht weit kommt. Hat der Partner die bessere Technik, hat man nur wenig Chancen. Aber auch beim „Verlieren“ kann man sehr viel lernen.

Insgesamt ein wirklich gutes Seminar mit Teilnehmern aus vielen unterschiedlichen Kampfkünsten.

Was sich auch noch durch das Wochenende zog, war das Thema Umweltschutz und Klimawandel. Schon bei der Anfahrt am Freitag, ich kam gerade von der „Fridays for Future“ Demonstration in Stuttgart, diskutierten Steve und ich stundenlang. Beim gemeinsamen Abendessen mit einem Großteil der Teilnehmer des Seminars (eine wirklich beeindruckende Tafel!) kamen wir auf das Thema Vegetarismus und auf Inlandsflüge. Ich glaube, diese Themen beschäftigen die Menschen mittlerweile und das ist auch gut so.

Dieses Wochenende war wirklich sehr gut! Ich kann jedem, der sein Können in Karate verbessern will, nur wärmstens empfehlen, Seminare mit Olaf zu besuchen.

Mich hat dieses Wochenende und die Leute so begeistert, dass ich entschlossen bin, mich für das Sommerlager anzumelden. Falls ihr noch nicht wisst, was das ist, hier die Erklärung:

Sommerlager: …mit Olaf Krey kyôshi (6.Dan Karate) vom 27.Juli bis zum 4.August im KiEZ Frauensee südlich von Berlin. Geübt wird hauptsächlich im Freien in Shirt und Shorts, entweder in Sportschuhen auf typisch brandenburgischem Kiefernwaldboden oder barfuß im/am Wasser bzw. auf Sand. Das ganze hat dadurch, durch die etwas spartanische Unterbringung in Mehrbett-Bungalows und auch durch die durchorganisierte Vollverpflegung gewissermaßen Ferienlager-Charakter, sieht man einmal davon ab, dass wir am Frauensee mehrmals am Tag üben. Am Abend sitzen wir dann meist nach ein paar entspannenden Schwimmzügen im See und/oder der nötigen Dusche bei Kerzenschein beieinander, schwatzen oder singen zur Gitarre. Der Preis liegt bei ca. 300 Euro und umfasst Verpflegung, Unterkunft und natürlich das Training.

Seminar mit Rivo Rasolofoson in Fritzlar am 06.02.2016

Seminar mit Rivo Rasolofoson in Fritzlar am 06.02.2016

Am 6.02.2016 war es für mich endlich soweit! Mein erstes Karate-Seminar, das nicht in Gärtringen stattfand, sondern mit Rivo Rasolofoson in Fritzlar.
Fritzlar liegt bei Kassel und somit war es eine weite Strecke zu fahren. Auf der Anfahrt überlegte ich mir, wie es wohl sein würde und was mich dort erwartet, wie es wohl ist, an einem völlig neuen Ort mit vielen Fremden Karateka zu trainieren. In der Ausschreibung stand „Yamane-Ryû Kobujutsu“, damit konnte ich noch nicht viel anfangen. Falls es Dir als Leser auch so geht, hier findest du mehr darüber: Yamane Ryû Koryû Uchinâdi Germany

Wir fuhren schon am Freitagabend nach Fritzlar und kamen für die Nacht bei einer befreundeten Karateka unter. Ein leckeres Frühstück gab es auch noch, Danke Gordana!
Der Lehrer, Rivo Rasolofoson, ein beeindruckender Mann, der mit einem breiten Lächeln alle Arten von Waffen um sich wirbeln lässt und dabei vieles erklärt, ist Träger des 3. Dans im Yamane-Ryû. Er trug einen dicken traditionell geknoteten Gürtel statt eines normalen Gürtels und wie er erklärte, war dies ein Zeichen des Respektes gegenüber den Teilnehmern. Sein Gürtel war nur dazu da, seinen Gi (Karate Anzug) zusammenzuhalten und drückte keine Graduierung aus. Um kurz nach 9 fingen wir mit dem Bo an. Rivo zeigte verschiedene Bo Handling Übungen, also grob ausgedrückt, wie man dem Bo um sich und sich mit dem Bo bewegen kann. Das soll man am besten schnell und ohne sich selbst mit dem wirbelnden Stock zu treffen ausführen. Hier konnte ich sehr viel mitnehmen! Die Fortgeschrittenen halfen und beantworteten meine Fragen. Ich merkte, dass es oft kleine Details sind, die bewirken, dass am Ende die Bewegung rund und ohne Halt abläuft.
Danach verbanden wir die ganzen Übungen zu einer Form, die einen mehr oder weniger geregelten Ablauf hatte. Jede Übung sollte 3-5 mal wiederholt werden und dann ohne Pause die nächste Übung daran angehängt. Ich lernte auch viel Theoretisches wie z.B., dass man darauf achten muss was man macht (wie man den Bo hält) aber gleichzeitig auch wissen muss, warum man das so macht. Man soll also die gezeigte Übung nicht einfach übernehmen, sondern versuchen zu verstehen, wieso man das so macht.
Dann teilte sich die Gruppe und ein paar übten weiter die Handlings Übungen und die Fortgeschrittenen übten eine Bo-Kata.
Dann gab es eine Pause mit belegten Brötchen, Kuchen und selbst mitgebrachtem Essen.

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Währenddessen stand ich noch mit dem Bo in der Hand da und Rivo kam auf mich zu und fing an mit mir zu üben. Ich war kurz überrascht, aber er erklärte mir genau was ich machen sollte. Ich griff ihn mit dem Bo an und er verteidigte mit seinen Kamas. Das Kama ist eine Sichel mit nur leicht gekrümmter Klinge, das auf den Ryūkyū-Inseln und Asien unter anderem zum Ernten von Reis verwendet wurden und ist damit wie andere Kobudo-Waffen ein zweckentfremdetes landwirtschaftliches Gerät.
Er führte eine Version vor, in der unten am Griff eine Leine befestigt ist, welche man sich um die Hand schlingt und somit die Kama zu einer Wurfwaffe weiterentwickelt. Er nannte die Waffe „Flying Kama“. Nach der Pause ging es mit Partnerübungen weiter und ich zeigte mit Rivo die nächste Übung, welche er davor mit mir geübt hatte. Die Waffenkonstellation Bo gegen Kama hatte ich noch nie gesehen und er erklärte, dass man, wenn die Kama richtig scharf sind, die Waffe in den Bo „hackt“ und den Gegner so zu sich her zieht.
Seine Kama hatten zwar eine Metallklinge, aber sie war nicht scharf. Wir übten dann mit Holzkamas was bedeutend ungefährlicher ist. 🙂
Als Vorübung für die Flying Kamas (mit welchen ich nie geübt habe) gab es das sogenannte „Poi“, ein Tennisball an einer Schnur, die man sich um die Hand wickelt und dann den Ball um den Körper wirbelt. Steve und ich versuchten uns daran und nach einigem „sich selbst treffen“ klappte es auch ganz gut.
Dann war das Seminar für uns auch schon vorbei, weil wir nur am Samstag teilnahmen.
Wir ließen den Tag bei einem gemütlichen und leckeren Abendessen ausklingen und wir aus Gärtringen machten uns dann wieder auf den Heimweg.
Für mich war das Seminar sehr interessant und ich konnte viele neue Erfahrungen sammeln.