Trainingstag am 27.12.2014 zum Abschluss des Jahres

Weihnachten? Geschenke? Womöglich noch Raketen und Raclette zum Neuen Jahr? Alles schön und gut, aber war’s das schon? In Gärtringen gibt es noch eine Tradition für die winterlichen Feiertage: Einen ganzen Tag voller Theorie und Praxis rund um’s Karate. Statt einer Weihnachtsfeier gibt es Drill und „Kata-Laufen“. Fauststöße statt Plätzchen, Kampfstöcke statt Kerzen und das Shômen als unseren Weihnachtsbaum!

Freilich war es nicht halb so martialisch wie sich die letzten Zeilen vielleicht angehört haben. Zum Abschluss des Jahres 2014 haben Karateka aus der Abendgruppe ihre letzte Trainingseinheit gemeinsam mit Fortgeschrittenen aus den Kindergruppen begangen. Nachdem einige Wochen lang nur spärlich Anmeldungen bei Steve und Sabrina eingingen, fand sich schließlich doch noch eine recht große Gruppe Motivierter zusammen, wodurch solch ein Event natürlich besonders gut gelingt.
Neben klassischer Begrüßung, Aufwärmung und dem Einüben von Bewegungsabläufen (diesmal: Kaishu waza) bietet ein solcher Trainingstag immer auch die Möglichkeit für einige ausgefallenere oder seltenere Einheiten. Körperliche Ertüchtigung und theoretische Fragen, für die in einer normalen Trainingsstunde weniger Zeit bleibt, wechseln einander ab. Erfahrungsgemäß wird zwischendurch auch ordentlich gegessen und getrunken (Es ist ja schließlich doch auch Weihnachten 🙂 ). Vielen Dank für die vielen leckeren Spenden an Gebäck und anderen Speisen, die uns die Pausen immer wieder versüßen.

Was stand noch auf dem Programm? Wir haben uns einige Zeit für Partnerübungen im Boxen genommen. Stärkt die Arme und macht Spaß.
Überlegungen zum „McDôjô“. Wird unsere Gesellschaft solch eine Institution jemals hervorbringen? Wie würde so etwas aussehen? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede hat dieses Modell zu unserer Form des Trainings? Ein wenig skurril, aber vielleicht gar nicht so weit von der Realität entfernt.
Kuchen essen. Generell top.
Einige … äh … Übungen zur Kräftigung der Bauchmuskulatur, des Gleichgewichts und des Selbstvertrauens 😉
Besprechung einer Dokumentation über „Zivilcourage“. Was sie bedeutet, was sie sein kann. Ist jemand schon einmal in einer Situation gewesen, die Zivilcourage gefordert hat? Wie fühlt sich das an? Einige gute Ratschläge und Gedanken für den weiteren Weg.
Training mit dem Bô (langer Kampfsstab). Schon viel zu lange nicht mehr in der Hand gehabt.

Gut gefallen hat mir, dass die Stimmung den ganzen Tag über insgesamt sehr locker und fröhlich geblieben ist. Auch wenn Konzentration und Disziplin für die Trainingsblöcke angebracht sind, war auch in den Pausen und Zwischenräumen immer viel los. Es wurde gespielt, gelacht und gerauft, alle waren ausgelassen mit dabei. Auch ich habe zwei oder drei Kanditaten gefunden, auf die ich mich bei nächster Gelegenheit wieder stürzen werde *bösegrins*. Am Ende gehörten sogar eine Schneeballschlacht und gemeinsames Pizzaessen bei „La Mamma“ zum offiziellen „Programm“. Unterm Strich war es also doch auch irgendwie eine Weihnachtsfeier 😉

In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr!! Wir sehen uns zum nächsten Training 🙂

Gürtelprüfungen + Weihnachtsmarktbesuch 2014

Am Samstag, dem 29.11.2014, fanden die Prüfungen der zweiten Jahreshälfte in unserem Dôjô statt. Wir gratulieren Ben Kuttler, Yannick van den Berg, Leon Don Bosco, Mika Block, Noel Ehret, Dennis Vögler, Lukas Schmitt, Tobias Ritter und Felix Drechsler zu ihren bestandenen Prüfungen.

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Foto von Familie Drechsler

Besonders erfreute uns die Prüfung von Felix Drechsler, der als erstes Kind, das bereits in der Kindergruppe mit dem Karate begann, nun die Prüfung zum Orangegurt sehr gut gemeistert hat. Die Zuschauer können sicher bezeugen, dass wir es Felix nicht gerade leicht gemacht haben, aber er sich den nächsten Grad wortwörtlich erkämpft hat. Wir hoffen, dass ihm weitere Kinder folgen werden, auch wenn sowohl der Gelbgurt, aber erst recht der Orangegurt, so einige Mühen erfordern, lohnt es sich dafür zu kämpfen.

Nicht unerwähnt möchte ich die Prüfung von Tobias Ritter lassen. Tobias kommt seit Jahren einmal die Woche zum Training, was den Fortschritt im Karate nicht gerade leicht macht. Dennoch macht Tobias Fortschritte, die folglich langsamer passieren, als wenn man öfter üben kann. Und dennoch, geht man einer Sache einmal pro Woche nach, wird man sich immer noch mehr darin verbessern, als wenn man ihr garnicht nach geht. Kann man jedoch mehr Zeit investieren, wird man auch schneller größere Fortschritte feststellen können. Daher muss man sich nicht grämen, wenn jemand anderes vielleicht im Karate schneller buntere Gürtel umbinden kann. Dafür kann man selbst vielleicht noch ein Instrument oder Faustball spielen, man hat bessere Noten in der Schule, mehr Bücher gelesen oder lediglich andere, für einen persönlich wichtigere Ziele. Wir alle haben begrenzte Zeit, nutzt sie nach euren Belieben und grämt euch nicht, wenn ihr nicht alles bestens und schnellstmöglich erreichen könnt, was ihr euch wünschen würdet. Andere Menschen sind nicht immer der richtige Maßstab für einen selbst.

Schließlich, zum Anlass unseres kürzlichen Umzugs, luden Sabrina und ich im Anschluss an die Prüfung die Mitglieder der Abendmannschaft in unsere neue Wohnung ein, um bei ein paar Stücken Flammkuchen, netten Gesprächen und ein paar Runden Buzz Quiz einen unterhaltsamen Nachmittag zusammen zu verbringen.

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Foto von Mika Block

Am Abend besuchten wir schließlich den „traditionellen“ Gärtringer Weihnachtsmarkt, der alljährlich nur an einem einzigen Samstag im Jahr stattfindet. Mit diesen sehr schönen gemeinsamen Stunden des ersten Adventwochenendes läuteten wir die Weihnachtszeit auch in unserem Dôjô ein. Wir wünschen allen Karateka und ihren Familien eine schöne Vorweihnachtszeit und freuen uns auf den gemeinsamen Jahresausklang.

Mehr Fotos findet ihr zeitnah in unserer Galerie.

Karate-Seminar mit Renshi Olaf Krey in Eggenstein-Leopoldshafen am 18.10.2014

Am Samstag, den 18.10.2014, fand in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe ein Koryu-Uchinadi-Seminar mit Renshi Olaf Krey statt. Um 10:00 Uhr ging es los. Obwohl ich das einzige Kind war, war es für mich super.
Insgesamt nahmen etwa 20 Karateka am Seminar teil. Sabrina, Steve und ich haben unser Dojo Gärtringen vertreten.

Im Seminar ging es hauptsächlich um verschiedene Hebel und Würfe. Unter anderem wurde uns erklärt, dass man, wenn man einen Ellenbogenhebel machen möchte, erst das Schultergelenk des Gegners kontrollieren muss. Alle an diesem Tag verwendeten Techniken bildeten zusammen die Partnerübungen einer Kata.

Wir haben auch gelernt, Angreifertypen zu unterscheiden. Einen Angreifer, der sich wie ein Ringer verhält, sollte man nicht im Boden- oder Nahkampf besiegen wollen, da er dort eindeutige Vorteile hätte. Dies wäre dafür bei einem „Boxer“ die richtige Wahl. Es geht dabei darum, die Vorteile des Gegners in seine Nachteile zu verwandeln.

In den Pausen gab es ein leckeres Buffet mit Kuchen und Brötchen.

Ich habe an diesem Tag hauptsächlich mit Sabrina trainiert. Die Hebel haben mir dabei am meisten Spaß gemacht. 🙂

Ich habe an diesem Tag viel gelernt und freue mich schon auf das nächste Mal.

Seminar mit Sensei Olaf Krey vom 26. bis 28.09. in Hassloch

Es war das erste Seminar mit Olaf Krey (außerhalb von Gärtringen), dass bereits am Stuttgarter Flughafen begann. Zusammen fuhren wir mit zahlreichem Gesprächsstoff in Richtung Hassloch, wobei „Fahren“ konnte man das Freitagabend eigentlich nicht nennen. Wir verbrachten die Zeit mit der Suche nach der „besten“ Route und dem „besten“ Handynavigationssystem. Beides blieb erfolglos bis die Akkus nach und nach leer wurden und wir schließlich das geplante Freitagabendtraining verpasst hatten. Somit ging es Freitagabend nur noch zum Essen ins Restaurant um den hungrigen Bauch zu füllen.

Danach entschieden die Bielefelder und ich uns dazu, noch das lokal bekannte Andechser Bierfest zu besuchen, an dem, wenn ich mich richtig erinnere, ca. 30.000 Besucher erwartet wurden. Unserer subjektiven Wahrnehmung nach, glich es im ersten Moment jedem üblichen Bierfest, was man so kennt. Doch das war es irgendwie nicht.

Yûgen (幽玄) ist ein japanischer Begriff, der die Wahrnehmung einer unergündlichen Tiefe, einer Art „Mystik“ beschreibt, bei der das Verborgene beachtet werden soll, dass was nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Nach meiner persönlichen Interpretation dieses Begriffes, konnte man auf diesem Fest diese Fähigkeit trainieren.

Offensichtlich war: Es war spät, die Straßen vermüllt, die anwesenden Menschen zum Großteil betrunken und in einer Alterspanne zwischen Teenager und Mitte 30. Nachdem wir ca. 30 Minuten auf dem Fest verbracht hatten, waren wir uns einig. Die Stimmung, die wir wahrnahmen, empfanden wir als ungewohnt aggressiv. Wir vier waren alle schon einige Male auf Bierfesten ähnlicher Art, wir waren nüchtern, alle nicht ganz unerfahren in den Kampfkünsten und für uns glich diese Veranstaltung eher einem brodelnden Hexenkessel, als einem gemütlichen Festchen.

Unerwartet sah ich das erste Mal in meinem Leben, wie ein Mensch auf einen anderen Menschen, der am Boden liegt, eintritt und nein – wir waren nicht plötzlich vor dem Fernseher gelandet, sondern es passierte Knall auf Fall drei Meter neben uns. Dank Marc konnte die Situation schnell und ohne eine große Schlägerei zu entfachen, gelöst werden. Das Schockierende für mich war, dass niemand außer Marc eingeschritten ist. Alle schauten zu. Weder Begleiter des Geschlagenen noch Begleiter des Angreifers setzten sich ein, um diese Situation zu beenden. Aus meiner Sicht ist das zum geringsten Teil rechtlich relevant, sondern zu einem enormen Teil menschlich sehr fragwürdig. Es war kein verlassener Ort, es mangelte nicht an Menschen und dennoch schritt keiner ein. Woran liegt das? Und woher nehmen Menschen diese Aggressivität, auf einen am Boden liegenden Menschen einzutreten? Sowas kann man nirgendwo lernen und trainieren, hoffe ich. Reichen die Bilder aus Filmen, Nachrichten, Videoclips oder Computerspielen aus, um sich das anzueignen und in einer aggressiven Situation abzurufen? – Nachtrag: Bystander-Effekt nennt man das Nicht-Eingreifen.

Mein Text ist nun etwas vom Weg abgekommen, aber diese schockierende Situation hat sich doch eingebrannt. Ich möchte mit diesen Zeilen auch keinen davon abhalten dieses oder ähnliche Feste zu besuchen, aber ich möchte Dich darum bitten, Deine Aufmerksamkeit zu schulen, besonders für und in solchen oder ähnlichen Situationen. Ich war in diesem Moment nicht aufmerksam genug und in ein Gespräch mit Andrea vertieft. Aber solche Orte sind sehr wahrscheinlich hochgradig ungeeignet für eine konzentrierte Unterhaltung, in der man sich voll und ganz einem Gespräch widmen kann. Solche Feste sind besonders gut geeignet um seine Aufmerksamkeit zu trainieren und den richtigen Moment zum Gehen zu wählen.

Aber nun zum eigentlichen Seminarinhalt:

Am Samstag beschäftigen wir uns mit der inzwischen vierten Kata von Meister Aragaki, die ich kennen lernen durfte: Aragaki Sochin (壮鎮). Mir persönlich gefällt diese Kata sehr. Aus meiner Sicht, hat sie ein eigenen „Stil“, der nicht nur „übliche“ Elemente wiederholt und aneinander reiht, sondern Elemente (verschiedenster Kampfkünste) vereint, ohne zu virtuos zu werden. Natürlich kann man eine Kata schwierig mit Worten beschreiben, also schaut sie euch an. Aber Achtung, die im KU geübte Version findet man nicht im Internet. In üblicher Weise gingen wir durch Partner- und Soloform, mit Variationen und Takedowns und schafften es zeitlich kaum.

Am Nachmittag war schließlich Gregor Kurfer an der Reihe, der uns wieder mit zahlreichen Bodenszenarien bereicherte, die sich ebenfalls kaum in Worten wiedergeben lassen. Er versuchte uns zu allen Grundpositionen Übergänge und Möglichkeiten mit auf den Weg zu geben und machte mir wieder erneut bewusst, dass der Spaß am BJJ darin besteht, den Partner nicht mit bloßer Muskelkraft an den Boden zu pinnen, sondern durch ständige Bewegung im Fluß zu bleiben und im passenden Moment technisch korrekt zu agieren.

Der Sonntag lief ähnlich wie der Samstag ab. Am Vormittag wiederholten wir die Soloform der Kata, beschäftigten uns mit Kaishu waza und am Nachmittag ergänzte Gregor mit BJJ. Am Ende dieses Tages sah ich dann auch meinen Mitfahrer Olaf Krey wieder. Für mich fühlte es sich fast so an, als hätten wir die zwei Tage getrennt verbracht. Ja, Olaf hat die Karate-Einheiten unterrichtet, aber irgendwie habe ich in den Pausen und an den Abenden kaum Worte mit ihm gewechselt. Aber dafür war auf der angenehmeren Fahrt, an diesem Wochenende, ja auch Zeit – zumindest in den Momenten, in denen mein Beifahrer nicht schlief 😉

Hier noch ein Gimmick für alle, die nicht dabei sein konnten:

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Copyright by Steve Mirke