Danshakai mit Sensei Olaf Krey vom 2.- 4.März in Schifferstadt

Danshakai mit Sensei Olaf Krey vom 2.- 4.März in Schifferstadt

„Zur Weggenossenschaft gehören beide Gaben,
nicht bloß ein gleiches Ziel, auch gleichen Schritt zu haben.“

von Friedrich Rückert

Beim Nachsinnen über das vergangene Danshakai bin ich auf dieses Zitat gestoßen und empfand es als passend zu meinen Gedanken über dieses Wochenende. Ich werde daher nach ein paar einleitenden Worten meine Gedanken zu dem obigen Zitat näher erläutern.

Zunächst stellt sich vielleicht manchem Leser die Frage, was ein „Danshakai“ ist und was man dort genau macht. Den Begriff „Dan“ kennen die meisten vielleicht schon. Er steht für eine Fortschrittsstufe im Karate, die der Schwarzgurte. „Shakai“ bedeutet so viel wie Vereinigung, Treffen oder Gemeinschaft. Bei einem „Danshakai“ geht es daher darum, dass „alle“ Schwarzgurte zusammenkommen, die einem Dojo, Verband oder Stil angehören oder sich aufgrund anderer Gruppierungsmerkmale zusammenfinden und austauschen wollen. Im Koryu Uchinadi in Deutschland findet ein solches Ereignis einmal im Jahr statt. Hier finden sich alle KU-Schwarzgurte aus Deutschland zusammen, die sich die Zeit für dieses Treffen nehmen können. In diesem Jahr waren es 12 Teilnehmer, was das Treffen zu einer sehr schönen familiären Runde machte.

Und was ist nun der Inhalt eines solchen Treffens? Hier fällt mir dann spontan erstmal die häufigste Antwort von Juristen ein (von mir statistisch nicht untersucht): „Es kommt darauf an.“ Im Vorfeld eines solchen Treffens werden manchmal potentielle Gesprächsthemen kommuniziert und Trainingsfelder abgesteckt. Vieles ergibt sich aber auch vor Ort und gerade bei diesem einmaligen Ereignis im Jahr ist der Gestaltungsspielraum für spontane Gespräche oder Trainings sehr groß. In diesem Jahr haben wir aus meiner Perspektive sehr viel trainiert, was sehr gut war und reichlich Input gebracht hat. Ich bin Olaf, Dinah, Felix und Angela, sowie allen Trainingspartnern sehr dankbar für die Stunden, in denen ich schwitzen und lernen durfte.
Um nun den Bogen zum Zitat zu spannen, möchte ich noch kurz auf den Begriff „Genossenschaft“ eingehen. Einfachheitshalber verwende ich die erste Definition, die man bei Google findet, nicht nur aus Bequemlichkeit, sondern auch weil mir diese gut gefällt. Eine Genossenschaft ist demnach „ein Zusammenschluss mehrerer Personen, beispielsweise Handwerker oder Bauern, mit dem Ziel, ihre gleichen wirtschaftlichen Interessen durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern.“

Da es „Genossenschaften“ auch mit gemeinnützigen und sozialen Zielen gibt, erlaube ich mir vorerst die Schwarzgurte in Deutschland, die gemeinsam Koryu Uchinadi üben, mit einer „Weggenossenschaft“ zu vergleichen, da wir ein Zusammenschluss von Kampfkunstinteressierten sind, die gemeinsam ein Stück Weg zurücklegen und hoffen vom gegenseitigen Austausch profitieren zu können. Friedrich Rückert schreibt nun aber von zwei mehr oder weniger notwendigen Gaben, die zu einer Weggenossenschaft gehören, dem gleichen Ziel und dem gleichen Schritt. Hier stellt sich mir die Frage ob wirklich alle Teilnehmer dieses Seminar-Wochenendes das gleiche Ziel verfolgen. Grundsätzlich wahrscheinlich schon. Zumindest für den Zeitraum des Treffens, mit größerer Wahrscheinlichkeit. Aber ist das noch so wenn jeder wieder zurück in seinem „Dojo“ ist oder ohne Trainingspartner weiter an seiner Kampfkunst arbeitet? Wahrscheinlich verfolgen dann nicht mehr alle KU-Schwarzgurte das gleiche Ziel. Der eine übt gern Kata, der nächste Bo, der andere Bodentechniken und der vierte boxt mit Leidenschaft. Jeder hat den Freiraum seine Kampfkunst mit eigenen Inhalten und Schwerpunkten zu gestalten.

Laut dem Zitat bleibt neben dem gleichen Ziel noch der gleiche Schritt. Hiermit ist wahrscheinlich eine gleiche Schrittlänge oder aber das Schritttempo gemeint. Perfekt, dazu habe ich noch ein Beispiel. Am Samstagnachmittag wanderten wir auf den Kalmit, den höchsten Berg im Pfälzerwald. Als wir oben angekommen waren, haben wir übrigens unsere Sai-Gabeln herausgeholt und eine tolle Partnerform mit dem Sai gelernt und geübt.

pro-cam

Aber ich komme vom Thema ab. Jeder der schon einmal mit unterschiedlich alten, großen, trainierten und motivierten Menschen gewandert ist, kennt das. Physiologisch bedingt ist die Schrittlänge nicht immer die gleiche. Das Schritttempo ebenfalls nicht. Die Folge ist, dass die Gruppe nicht immer zusammenbleibt, so auch bei dieser Wanderung. Bezieht man nun Schrittlänge und Schritttempo auf den Fortschritt im Karate, dann wäre unsere „Genossenschaft“ nicht nur beim Wandern unausgeglichen.

Wenn man den Begriff „Danshakai“ liest, denkt man vielleicht im ersten Moment: „Das sind ja alles Schwarzgurte, die können bestimmt super miteinander trainieren, weil sie ja alle auf einem Level sind.“ Und ja, sie können auch super trainieren, weil sie ein vergleichbares Fundament haben, aber wie in meiner letzten Betrachtung erwähnt, so gibt es auch hier eine Heterogenität innerhalb der Trainingsgruppe. Bei diesem Danshakai wurde mir wieder einmal bewusst, dass die Heterogenität im Training wahrscheinlich niemals aufhört. Schwarzgurt ist keinesfalls gleich Schwarzgurt. Und wer jetzt denkt, „Was will der Typ? Ist doch logisch. Deswegen gibt es ja auch 10 Dangrade!“, der hat auch recht. Aber wenn ihr wieder einmal denkt „Schwarzgurt, dann hab ichs geschafft“ erinnert euch daran, dass zwischen Schwarzgurt und Schwarzgurt oftmals Welten liegen. Ein „Schwarzgurt“ ist eben auch „nur“ eine andersfarbige Bauchbinde, die die Jacke zuhält und die Stufe der Schwarzgurte eine Sicht, die den Weg aus einer anderen Perspektive aufzeigt :-) .

Um auf unsere „Weggenossenschaft“, die KU-Schwarzgurte in Deutschland zurückzukommen, mit einem gleichen Ziel und einem gleichen Schritt, so möchte ich behaupten, dass dieses Zitat nicht richtig auf uns zutrifft. Wir haben in Deutschland keine formale Organisationsform, wie etwa einen Verband. Wir sind ein paar Leutchen, die man mit wenigen Händen abzählen kann, die keine Genossenschaft mit gleichem Ziel und gleichen Schritt bilden. Wir sind viel mehr eine Gemeinschaft von Kampfkunstinteressierten, Weggefährten und Freunden, in der jeder sehr unterschiedliche Ziele verfolgt, insbesondere auch Ziele, die sich mit der Zeit immer mal wieder ändern und in der jeder mit seinem eigenen Tempo und einer individuellen Intensität fortschreitet, zurückschreitet, die Richtung ändert oder auch mal stehen bleibt. Ein großer Nutzen dieser Gemeinschaft ist nicht nur die gemeinsame Übung, sondern auch das „Feuer“, welches immer mal wieder von Person zu Person kleiner oder größer wird, aber letztlich auch immer wieder zum gegenseitigen Entflammen dienen kann.

Danke für dieses Wochenende.